Kunst in der Alltagswelt – ein Projekt zeigt seine Wirkung

Die Verbindung von Kunst und Architektur in Stationen der Wehrhahnlinie in Düsseldorf findet zwei Jahre nach der Eröffnung viel Zuspruch.

Düsseldorf. Eine ganz normale U-Bahn-Fahrt. Gelangweilt aufs Handy starrend oder gehetzt auf die Uhr blickend, fährt Jung und Alt die Rolltreppe hinunter. Doch etwas ist ungewöhnlich. Die Wände sind dreidimensional, sie wenden sich in geometrischen Formen nach innen. Noch nimmt niemand etwas davon wahr. Doch als plötzlich Töne erklingen, die an Vogelgezwitscher erinnern, blicken sich einige um.

Dass Düsseldorf ist nicht nur für seine Sauberkeit, sondern auch für seine Position als Kunstzentrum bekannt ist, spiegeln auch die U-Bahnstationen wider. Seit Februar 2016 heben sich sechs U-Bahn-Stationen Düsseldorfs durch ihre künstlerische Gestaltung von den anderen ab. Die Wehrhahnlinie setzt sich aus den Stationen Pempelforter Straße, Schadowstraße, Heinrich-Heine-Allee, Benrather Straße, Graf-Adolf-Platz und Kirchplatz zusammen und ist 3,4 km lang. Ihre Planungs- und Bauphase betrug fünfzehn Jahre. Finanzielle Unterstützung bekamen die örtlichen Verkehrsbetetriebe dabei unter anderem vom Land NRW.

Die Gestaltung geht auf die Zusammenarbeit aus Künstlern und Architekten zurück. Dadurch, dass jede Station von einem anderen Künstler gestaltet wurde, bekam jede ihren eigenen Charakter. Die Kunstwerke reichen von Skulpturen über Malerei bis hin zu interaktiven Kunstwerken. Der Benrather Platz beispielsweise soll die Passanten mit seinen metallischen Wänden und 3D-Animationen aus dem Universum in einen Zustand der Schwebe versetzen. Für die Schadowstraße hat die Künstlerin Ursula Damm eine Installation erschaffen, die von Passanten aufgenommene Bewegungen in Echtzeit in geometrische Strukturen umwandelt.

Die Kosten des Projektes berufen sich mit 929 Millionen Euro auf 42 Millionen mehr als erwartet. Für die Initiatoren hat es sich ausgezahlt – im September 2017 gewann die Wehrhahnlinie den Coda Award in der Kategorie „Verkehr“. Das Kulturmagazin rheinische ART würdigt die Stationen als „eine weitere Visitenkarte der Stadt“. Die meisten Passanten nehmen die Konstrukte ebenfalls positiv wahr. „Alles wirkt jetzt noch sauberer und sicher“, findet Chantal Dahlmann. Zwar hätte der Bau ihrer Meinung nach schneller gehen können, trotzdem lohne sich das Projekt – auch, um die Künstler zu unterstützen, urteilt sie.

Die Investitionen im hohen Millionenwert kommen dagegen nicht überall gut an. Eine gewisse „Grundinvestition“ sei sinnvoll, aber man dürfe dabei Sozialprojekte wie die Behindertenförderung nicht vernachlässigen, appelliert Heike Wiegmann. Trotz weniger Einwände stößt die Initiative insgesamt sowohl bei Düsseldorfern als auch bei Besuchern der Stadt auf eine grundsätzlich positive Resonanz. Auch Wiegmann stellt fest: „Die Wehrhahnlinie hat Potenzial zu einem Wahrzeichen Düsseldorfs.“

 

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