Obdachlosigkeit ist ein Gedanke wert

Sie gehören zu den “unangesehenen“ Gesellschaftsschichten, obwohl kaum jemand wirklich ihre wahre Geschichte kennt. Eine Welt voller Hoffnung und Ungewissheit.

 

Veronika und Jörg, zwei ehemalige Obdachlose, erzählten von Anfang an gerne über ihre Geschichte: wie sie auf die Straße gekommen sind, welche Herausforderungen ihnen begegnet sind und wer ihnen geholfen hat.

Die beiden, die durch die Organisation fiftyfifty eine Wohnunterkunft gefunden haben, führten am Samstagnachmittag 24 interessierte Teilnehmer durch Düsseldorf und erzählten, welche Erfahrungen sie auf der Straße gemacht haben. Dabei ging es nicht um die großen Touristenattraktionen, wie die Königsallee, sondern eher die nicht so präsenten Orte der Stadt. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit in das Leben der Randbevölkerung Düsseldorfs zu schauen.

„fiftyfifty“ ist eine Organisation und eine Anlaufstelle für obdachlose und arme Menschen. Sie unterstützen die Hilfsbedürftigen, indem sie diese verpflegen, ihnen ein Dach überm Kopf ermöglichen und ihnen bei der Formalität hilft.

Auch Veronika Wiegele hat die Hilfe von fiftyfifty in Anspruch genommen. Vor vier Jahren lebte auch sie auf Düsseldorfs Straßen. Durch das Projekt Housing First hat sie vor einigen Jahren endlich eine 30 Quadratmeter große Wohnung bekommen. Angefangen hat ihr Leben auf der Straße mit der Trennung ihrer Eltern. Von dort an musste sie sich entscheiden, ob sie lieber mit ihrem Vater nach Andorra einem kleinen Staat zwischen Spanien und Frankreich ziehen wollte oder ob sie mit ihrer Mutter in Deutschland bleiben mag. Sie entschied sich schweren Herzens für ihre Mutter und Deutschland. Dort kam sie in Kontakt mit den falschen Menschen am Hauptbahnhof. Sie wollte nur Gras kaufen und bekam von den falschen Personen eine Portion Kokain, das sie mal probieren sollte. Dies löste in ihr ein so gutes Gefühl aus, dass Veronika immer mehr wollte und wurde dadurch abhängig.

Sie ist mit dieser Geschichte in Düsseldorf und in ganz Deutschland kein Einzelfall. In NRW leben rund 16.000 und in ganz Deutschland rund 335.000 auf der Straße (stand 2014). Aber als ob keine Wohnung zu haben schon das schlimmste wäre, es gibt egal wo man hinschaut und hört auch Menschen, die durch Pöbeleien ihre Vorurteile gegenüber Obdachlosen gerne an den Tag legen. Dies stört nicht nur Jörg und Veronika, die zwei Stadtführer, sondern auch Sandra Exner-Albrecht. Auf Nachfrage wie man Obdachlosen helfen könnte antwortet sie: „Ich finde es sollte mehr für den privaten Schutz getan werden. Sie werden oft auch verbal angegangen und das ist nicht schön“.

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